Predigtimpulse Wallau und Weifenbach

Predigtimpulse Wallau und Weifenbach


# Gemeinde
Veröffentlicht am Sonntag, 5. Juli 2020, 00:00 Uhr
© Achenbach/Jörg Stähler

Vierter Sonntag nach Trinitatis, 5. Juli 2020

Predigttext: Lukas 6, 36 – 42 

Vom Umgang mit dem Nächsten

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen. Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Ein Jünger steht nicht über dem Meister; wer aber alles gelernt hat, der ist wie sein Meister. Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr? Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.“

Gedanke:

Wie könnte unser Leben aussehen, wenn wir uns wirklich daran halten, woran wir glauben? Nämlich dass Gott allein das letzte Wort über unser Leben und über das Leben unserer Brüder und Schwestern hat.

In der Regel leben wir unseren Alltag anders. Wir richten uns ein, so dass es uns und unseren Nächsten gut geht. Eigene Fehler sehen wir nicht so eng. Die „der anderen“ umso deutlicher. Aber – ohne „die anderen“ geht es doch gar nicht! Das Leben ist nur in der Gemeinschaft möglich. Gott hat uns so geschaffen, dass wir „die anderen“ brauchen, dass wir einander brauchen. 

Das sagt auch unser Wochenspruch aus dem Galaterbrief: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

Frage 1): Wer sind „die anderen“ für mich? Wessen Last trage ich gerne, wessen Last nicht?   

Gedanke

Der Splitter im Auge des anderen und der Balken im eigenen Auge. Dazu gibt es eine wunderbare Geschichte im Alten Testament, die genau diese Situation beschreibt (2. Samuel 11 und 12): Die Geschichte vom großen König David. Er erwies sich als ein genauso kleiner Mensch wie die meisten anderen auch. Sein Auge war auf die schöne Batseba gefallen. Die war allerdings leider schon verheiratet, ausgerechnet mit Urias, Davids General. Um Batseba zu bekommen, denkt sich David was aus. Urias wird in der nächsten Schlacht, die das Heer zu schlagen hat, auf einen so gefährlichen Posten gestellt, dass er auf jeden Fall sterben wird. Und als Urias erst einmal tot ist, kann David die schöne Batseba in seinen Harem heimführen. Aber da kommt eines Tages der Prophet Nathan zum König und erzählt ihm folgende Geschichte: 

Es waren einmal zwei Männer in einer Stadt, der eine war reich und mächtig und hatte viel Vieh, der andere war arm und hatte nur ein einziges kleines Lamm, sein ein und alles. Als nun der reiche Mann einmal Gäste hatte, brachte er es nicht über sich, Tiere aus seinen eigenen Beständen zu schlachten, sondern er nahm das einzige        Lamm des armen Mannes für das Festessen. Als David das hörte, wurde er zornig und sagte: der Mann ist des Todes! Worauf Nathan nur sagen kann: Du bist der Mann, mein König! Und David sieht seinen Fehler ein und bittet um Vergebung. 

Frage 2): Welchen Splitter erkenne ich in meinem eigenen Auge? Welche Fehler habe ich, die für meine Mitmenschen schwer erträglich sind? 

Gedanke:

Es ist schwer und schmerzlich, sich selbst ehrlich und realistisch anzusehen, mit allen Balken, Fehlern und Kleinigkeiten. Nicht gemütlich, so ein Blick in die Dunkelheiten der eigenen Gedanken und Seele. Wie können wir es ertragen, uns selbst ehrlich zu prüfen? Das können wir nur, weil wir an die Vergebung der Sünden glauben dürfen, daran, dass wir leben dürfen trotz aller Splitter und Balken, die es in uns gibt. Dass Christus die Splitter und die Balken und alles andere Dunkle in uns am Karfreitag mit ans Kreuz nahm. Dass er starb, damit wir leben können. 

Gebet

Gott, du kennst uns alle und weißt, niemand von uns ist ohne Fehler. Das müssen wir immer wieder schmerzlich feststellen. Auch wenn wir uns bemühen, wir bleiben fehlerhafte Menschen. Heute bitten wir dich für alle, die durch Unwissenheit oder Unerfahrenheit eine falsche Entscheidung getroffen haben. Hilf ihnen, ihren Irrtum zu korrigieren. Wir bitte dich für alle, die durch Unbekümmertheit oder aus Leichtsinn Schaden angerichtet haben. Hilf ihnen, wieder gut zu machen, was sie zu verantworten haben. Wir bitten dich für alle, die aus Berechnung oder Bosheit andere Menschen belogen, betrogen, verunglimpft oder verletzt haben. Hilf ihnen, ihre Schuld einzugestehen, zu bereuen, was sie getan haben und wieder auf den Weg des Guten zurückfinden. Wir bitten dich für uns alle, die wir immer wieder Fehler machen und Schuld auf uns laden: Hab Nachsicht mit uns und hilf uns, in Zukunft all das zu vermeiden, was Anderen, uns selbst und deinem Ansehen schadet. 

Persönliche Fürbitten und Vaterunser

Segen

Der Segen des Gottes von Sarah und Abraham, der Segen des Sohnes, von Maria geboren und der Segen des Heiligen Geistes, der über uns wacht wie eine Mutter über ihre Kinder, sei mit uns allen. 

Amen